Gleichstellungsindex 2017

Gleichstellung von Frauen und Männern in den obersten Bundesbehörden

Der vorliegende Bericht zum Gleichstellungsindex wird regelmäßig im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellt. Der Index misst jährlich zum 30. Juni mittels aussagekräftiger Kennzahlen die Umsetzungserfolge einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in den obersten Bundesbehörden.

Umfang: 15 Seiten, Format: pdf, Erscheinungsweise: jährlich

Buchtipp: „Angela Steidele: Anne Lister. Eine erotische Biographie“

Angela Steidele:

Anne Lister Eine erotische Biographie

 

 

„Die Frauen mögen mich und haben mich immer gemocht und keine hat mich je abgewiesen.“

 

 

Anne Lister (1791 – 1840) war eine englische Landadelige, die extensiv Tagebuch geschrieben hat: 24 dicke in Kalbsleder gebundene Bände, einige davon aber in Geheimschrift. Nach ihrem Tod fiel das Erbe an ihren Neffen John Lister, dem es keine Ruhe ließ, dass er die Geheimschrift nicht entziffern konnte. Zusammen mit einem befreundeten Archivar aber gelang es ihm endlich und ob des Inhalts erröteten die beiden Herren tief. Der Antiquar befand: Alles verbrennen! Zum Glück tat Lister das nicht. Aber er versteckte die Tagebücher, indem er ein Zimmer im Anwesen abtrennte, die Bücher darin unterbrachte und das Zimmer mit einer Holzwand wieder verschloss, darauf vertrauend, dass spätere Generationen sich wundern und die Tagebücher entdecken würden. So war es dann auch.

In diesen geheimen Tagebüchern hatte Anne Lister ihre sämtlichen erotischen Affären mit anderen Frauen bis ins kleinste Detail geschildert. Ihre zwei Lebensbeziehungen genauso akribisch wie ihre kleinen, unzähligen Liebeleien. Ihre erste Liebe hatte sie schon in ihrer Schulzeit und niemand nahm daran Anstoß, denn zwei Mädchen in einem Bett wurden eher als Garant für die Jungfernschaft gesehen und nur die war zu Zeiten Anne Listers im prüden präviktorianischen England von Interesse.

Anne ist zwar eine überaus talentierte und mit Charme ausgestattete Frauenverführerin, aber Treue ist für sie ein Fremdwort, lebt sie doch nach der Devise: „Nichts ist praktischer und geräumiger als mein Herz.“ Skrupellos lügt und betrügt sie und erweist sich dabei als taktisch außerordentlich geschickt, wenn sie mehrere Affären gleichzeitig laufen hat.

In aller Ausführlichkeit erfährt man in ihrem Tagebuch, wie sie sich Zentimeter für Zentimeter das Bein der zu Erobernden hocharbeitet und von welcher Qualität und wie oft ihre Orgasmen waren oder ihre Selbstbefriedigungen. Wenn man das über hunderte von Seiten liest, ist dieser weibliche Don Juan zwar nicht sonderlich sympathisch, aber eine überaus interessante Frau ist sie zweifellos, die sich zu ihrer Zeit selbstbewusst Rechte herausgenommen hat, die nur Männern zustanden. Das Buch ist so ein einzigartiges Dokument lesbischer Sexualität und der Herausgeberin gilt Dank, dass sie sich durch Anne Listers ausufernde, Wichtiges vom Unwichtigen nicht unterscheidende Notizen durchgearbeitet und sie gewichtet und sortiert hat. Auf Dauer sind die sich wiederholenden Affären vielleicht auch etwas ermüdend und da ist es gut zu erfahren, dass Anne Lister neben ihren Verführungskünsten noch andere Talente und Interessen hatte: sie war eine begeisterte Reisende und so fit, dass sie als erste Touristin den Vignemale, den mit 3298 Metern dritthöchsten Berg in den Pyrenäen, erklomm. Fragt sich: Fit durch all ihre Liebschaften? (VP)

Angela Steidele: Anne Lister. Eine erotische Biographie, Matthes & Seitz Berlin 2017, 327 Seiten, 28,–€

In der Bibliothek zu finden unter Wz Lis