Buchtipp: Luise Meier, MRX Maschine

Softwareupdate für Karl Marx

Sie ist laut. Stürmisch. Bricht unsere Denkmuster mit einem lauten Knirschen entzwei. Die Mrx Maschine, die Luise Meier in ihrem gleichnamigen Werk durch unseren Kopf jagt, ist nicht mehr aufzuhalten. Mit sprachlicher Finesse und unzähligen theoretischen Querverweisen von Walter Benjamin bis bell hooks poliert und ölt Meier das Marx‘sche Theorie-Bollwerk. In bunten Sprachbildern zeigt sie, dass in unserer quirligen Welt aus Selbstoptimierung und der Hochkultur des Individualismus immer noch der Kapitalismus die Trommel schlägt, zu der wir im Takt in die Tasten hauen. Aber nicht mehr nur die Lohnarbeit steht im Mittelpunkt, sondern auch die Verbindungen zu Feminismus, Sexismus und dem alltäglichen Leben, die Meier auf der Basis der Marx‘schen Theorie weiter flechtet. Das Proletariat ist mutiert, zersplittert: Die Berliner Autorin zeigt, wie das Ich Proletariat und herrschende Klasse zugleich sein kann, wenn mensch als höchsteigener Fitnesstrainer an der perfekten Strandfigur arbeitet. Wer sich schon einmal mit Marx‘ Theorien auseinandergesetzt hat, findet hier ein dringend notwendiges Update und ein sprachliches sowie intellektuelles Kunstwerk, was seinesgleichen sucht. Lassen wir uns zum 200. Geburtstag des großen Denkers von Luise Meier mit Unproduktivität anstecken.

Luise Meier, MRX Maschine, Reihe Fröhliche Wissenschaft Bd. 127, 208 Seiten, Matthes & Seitz Berlin 2018

In der Bibliothek zu finden unter Ba 61

Mira de Gouges

Unsere nächste Veranstaltung

Fa(t)shionista

 VS_9783864930539-Albrecht-Fatshionista_U1.inddRund und glücklich durchs Leben
(Ullstein Verlag, 2018)

Schon als Sechsjährige ärgert sich Magda Albrecht über die Kommentare ihrer Mitmenschen, die abfällig über ihren dicken Körper sprechen. Heute will sie das Schönheitsideal verändern, besser: ausdehnen, denn nicht die vielen Pfunde, sondern die Vorurteile sind hartnäckiger als gedacht: Wer dick ist, hat versagt, ist faul und ungebildet. Warum eigentlich?, fragt sich die Autorin nach vielen Jahren der Verunsicherung und verordnet sich seither keine Diätshakes mehr, sondern eine doppelte Portion Selbstbewusstsein. Denn sie hat gelernt, dem Schlankheitsideal etwas entgegenzuhalten: stolze Fatshionistas und die Erkenntnis, dass Diäten nichts bringen — außer schlechter Laune.

Magda Albrecht, Autorin, Bloggerin, Musikerin. Sie macht politische Bildungsarbeit, hält Vorträge und gibt Workshops zu den Themen Körpernormen (insbesondere Dickendiskriminierung), Strategien zur Selbstermächtigung und queer_feministischer Aktivismus.

Mittwoch, 27. Juni 2018, 19.30 Uhr

Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Eintritt: 3 €

in Kooperation mit PINKSTINKS