Buchtipp: Maxi Obexer, „Europas längster Sommer“

Maxi Obexer: Europas längster Sommer, Romanessay, Verbrecher Verlag 2017, 105 S., 19 Euro

In der Bibliothek zu finden unter der Signatur: R Obe 1

Ausgehend von der Einladung zur Verleihung der Einbürgerungsurkunde an die Ich-Erzählerin beschreibt Obexer teils zynisch, teils humorvoll, was es heißt, Migrantin in Deutschland und in Europa zu sein. Es geht um Identität(-sfindung), Ossis und Wessis, Einwanderung, Beamtendeutsch, Bürokratie, die Unterscheidung von EU-Ausländern und anderen Ausländern sowie um ihre Gemeinsamkeiten.

Das Buch ist mehr Essay als Roman. Die einzelnen Kapitel ergeben keinen Erzählfluss, sondern sind mehr oder weniger unzusammenhängende Schnipsel aus Gedanken und Erlebnissen der Ich-Erzählerin. Obexer, selbst aus Südtirol eingewandert, erzählt Anekdoten von zahlreichen Einwanderern aus unterschiedlichsten Ländern und lässt dabei wohl auch ihre eigenen, persönlichen Erfahrungen einfließen.

Das Buch ist mit rund 100 Seiten zwar kurz, aber nicht die optimale „Zwischendurch-Lektüre“. Man muss sich auf die Erzählungen einlassen und darüber nachdenken. Wer die nötige Ruhe mitbringt, wird jedoch einen wertvollen Einblick in unsere Gesellschaft, in das deutsche und das europäische Bewusstsein erhalten, der den meisten „Bio-Deutschen“ andernfalls wohl verwehrt bliebe.

Buchtipp von: D.M.

 

Unsere nächste Veranstaltung

„Nordlicht, Elch und Tannengrün“

Nordlicht_ElchFast schon eine Tradition …

Die Übersetzerinnen

Gabriele Haefs,
Dagmar Mißfeldt
und
Christel Hildebrandt

sowie ein Überraschungsgast …

… servieren eine schaurig-schöne Mischung aus besinnlichen Weihnachtsgeschichten und mörderischen Weihnachtskrimis.

 

glögg

Dazu gibt’s traditionell Glögg

(mit und ohne Rum),

heiße Waffeln

und allerlei Nordisch-Leckeres …

Mittwoch, 13. Dezember 2017, 19.30 Uhr

Unsere nächste Veranstaltung: Bücher-Café

Erlesenes für Frauen*

Sonntag, 3. Dezember 2017, 15.00 Uhr

rotessofa2Das DENKtRÄUME-Team hat sich wieder für euch umgesehen und gibt druckfrische Bücher-Tipps für lange Winternächte (und kurze -tage) …

Das DENKtRÄUME-Team präsentiert dreimal im Jahr aktuelle frauen*relevante Neuerscheinungen. Nach der Leipziger Buchmesse im Frühjahr, im Sommer mit dem Schwerpunkt Urlaubslektüre und im Winter mit Neuigkeiten von der Frankfurter Buchmesse. Dazu gibt es immer einen gutsortierten Bücherflohmarkt, eine Tombola mit tollen Preisen (Leseausweise, Büchergeschenke …) und – last not least: leckeren selbst gebackenen Kuchen!

Eintritt: frei

Buchtipp

Liebe Ijeawele… Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden

AdichieIIWen fragt man, wie Mädchen zu starken selbstbestimmten Frauen heranwachsen? Eine gute Freundin, vor allem, wenn sie eine bekannte Feministin ist. So geschah es der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie, als eine Freundin aus Kindertagen ein Mädchen zur Welt brachte. „Es erschien mir eine zu große Aufgabe“, bekennt Adichie, beschloss dann aber, Ijeawele einen „ehrlichen und praktischen Brief zu schreiben, der zugleich als eine Art Landkarte für mein eigenes feministisches Denken fungieren sollte“.

Um in Alltagssituationen zu entscheiden, wie eine feministische Reaktion jeweils aussehen könnte, gibt sie der Freundin zwei Prämissen an die Hand. Erstens die feste Überzeugung: „Ich bin gleich wichtig“. Und zweitens: „Kannst du X umkehren und erhältst trotzdem dasselbe Resultat?“ Würde man etwa sagen, eine Frau „gestatte“ es ihrem Mann, einem Politiker, im Rampenlicht zu stehen? Nach traditioneller Vorstellung steht sie „hinter“ ihm. Mit dieser Frage könnten zugleich Anhänger des „Feminismus Light“ überführt werden: jenem Gedanken, dass Männer von Natur aus überlegen seien, aber Frauen gut zu behandeln hätten.

Ein zentraler Vorschlag Adichies besteht darin, die Töchter zu lehren, Sprache zu hinterfragen, und als Mutter sich dabei der Abhängigkeiten zwischen Sprache, traditionellen Rollenvorstellungen und Erziehung bewusst zu sein. Weiter schlägt die Autorin vor, Mädchen in ihrer Individualität zu stärken, auf die – oft unbewusste  – Konditionierung zu stets freundlichem angepasstem Verhalten zu verzichten und stattdessen Aufrichtigkeit und freie mutige Meinungsäußerungen zu verstärken. So könne Missbrauch, ungleichen Beziehungsdynamiken und Selbstaufopferung der Frauen entgegengewirkt werden.

„Ihre Aufgabe ist es nicht, sympathisch zu sein, ihre Aufgabe ist es, ganz und gar sie selbst zu sein, ein Selbst, das aufrichtig und sich der Gleichberechtigung anderer Menschen bewusst ist“, so Adichie.

Ein kluges, gut lesbares Buch mit teils ungewöhnlichen, nachdenklich stimmenden Ideen. Besonders zu empfehlen für Frauen, die in einem patriarchalisch geprägten Umfeld groß wurden und „Futter“ für eine feministische Sichtweise brauchen.

Buchtipp von: Anne Gemeinholzer

Chimamanda Ngozi Adichie: Liebe Ijeawele… Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden, Fischer 2017, 79 S., 8 Euro

In der Bibliothek zu finden unter der Signatur: Db 40