Buchtipp

Liebe Ijeawele… Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden

AdichieIIWen fragt man, wie Mädchen zu starken selbstbestimmten Frauen heranwachsen? Eine gute Freundin, vor allem, wenn sie eine bekannte Feministin ist. So geschah es der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie, als eine Freundin aus Kindertagen ein Mädchen zur Welt brachte. „Es erschien mir eine zu große Aufgabe“, bekennt Adichie, beschloss dann aber, Ijeawele einen „ehrlichen und praktischen Brief zu schreiben, der zugleich als eine Art Landkarte für mein eigenes feministisches Denken fungieren sollte“.

Um in Alltagssituationen zu entscheiden, wie eine feministische Reaktion jeweils aussehen könnte, gibt sie der Freundin zwei Prämissen an die Hand. Erstens die feste Überzeugung: „Ich bin gleich wichtig“. Und zweitens: „Kannst du X umkehren und erhältst trotzdem dasselbe Resultat?“ Würde man etwa sagen, eine Frau „gestatte“ es ihrem Mann, einem Politiker, im Rampenlicht zu stehen? Nach traditioneller Vorstellung steht sie „hinter“ ihm. Mit dieser Frage könnten zugleich Anhänger des „Feminismus Light“ überführt werden: jenem Gedanken, dass Männer von Natur aus überlegen seien, aber Frauen gut zu behandeln hätten.

Ein zentraler Vorschlag Adichies besteht darin, die Töchter zu lehren, Sprache zu hinterfragen, und als Mutter sich dabei der Abhängigkeiten zwischen Sprache, traditionellen Rollenvorstellungen und Erziehung bewusst zu sein. Weiter schlägt die Autorin vor, Mädchen in ihrer Individualität zu stärken, auf die – oft unbewusste  – Konditionierung zu stets freundlichem angepasstem Verhalten zu verzichten und stattdessen Aufrichtigkeit und freie mutige Meinungsäußerungen zu verstärken. So könne Missbrauch, ungleichen Beziehungsdynamiken und Selbstaufopferung der Frauen entgegengewirkt werden.

„Ihre Aufgabe ist es nicht, sympathisch zu sein, ihre Aufgabe ist es, ganz und gar sie selbst zu sein, ein Selbst, das aufrichtig und sich der Gleichberechtigung anderer Menschen bewusst ist“, so Adichie.

Ein kluges, gut lesbares Buch mit teils ungewöhnlichen, nachdenklich stimmenden Ideen. Besonders zu empfehlen für Frauen, die in einem patriarchalisch geprägten Umfeld groß wurden und „Futter“ für eine feministische Sichtweise brauchen.

Buchtipp von: Anne Gemeinholzer

Chimamanda Ngozi Adichie: Liebe Ijeawele… Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden, Fischer 2017, 79 S., 8 Euro

In der Bibliothek zu finden unter der Signatur: Db 40

Buchtipp

Dinge, die vom Himmel fallen

AhavaSaaras Tante Annu ist in ein „Märchenschloss“ mit Geheimzimmer gezogen. Grund zur Freude für das Mädchen. Doch die Tante kann sich mit ihrem Lottogewinn nicht abfinden und verkriecht sich, kaum hat sie einen Gutshof erworben, in einen „Dornröschenschlaf“. Auch Saara widerfährt Undenkbares, das viel besser in ein Märchen passen würde als in das Leben einer Achtjährigen: Ein Eisklumpen stürzt vom Himmel und begräbt ihre Mutter unter sich. Saara stemmt sich in ihrer Trauer gegen das allmähliche Verblassen der Erinnerung: Sie beschließt, sich „sicherheitshalber“ jeden Tag an die Mutter zu erinnern, „bevor die Zeit zu viel heilt“. Weil sie weder auf ihren Vater Pekka zählen kann noch auf die Tante, ruft Saara ihr Idol Hercule Poirot um Hilfe an. Denn Hercule Poirot hätte „jeden Tod richtig erklärt“.

Es ist vor allem die magische Vorstellungswelt der kindlichen Ich-Erzählerin mit ihren Bildern und Figuren, in der das Unfassbare dessen, was der Familie zustößt, gespiegelt und greifbar wird. Aus der sprachlichen Schönheit dieser märchenhaften Miniaturen, die Selja Ahava in ihren Text verwebt wie Tante Annu Erinnerungsstücke in ihre Walkteppiche, bezieht der Roman seinen ganz speziellen Reiz. Dabei gelingt der finnischen Autorin ein Erzählton, der das Verarbeiten Saaras nicht etwa als naiv darstellt, sondern als eine eigenständige und sehr lebenskluge Art damit umzugehen, dass „Dinge passieren“. Am Ende ist Saara gewiss:

„Mal kommt der Weltuntergang,

mal bricht schlagartig das Paradies aus.“

Eine großartige Melange aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit, eine schmerzhafte und zugleich tröstliche Lektüre.

Buchtipp von: Anne Gemeinholzer

Selja Ahava: Dinge, die vom Himmel fallen. Roman

Mareverlag 2017, 205 S., 20 Euro

In der Bibliothek zu finden unter der Signatur: R Aha 1

Hamburger Frauen- und MigrantInnenmarsch

„FRAUEN STÄRKEN FRAUEN!“

Hamburgs Frauen gehen voran – für Demokratie, Freiheit und Menschenwürde

Der Hamburger Frauen- und MigrantInnenmarsch rund um die Binnenalster

Was? Frauen- und MigrantInnenmarsch für die demokratischen Werte

Wann? Ab 14.00 Uhr Grußworte auf dem Rathausmarkt, ab 15:00 Uhr marschieren wir um die Binnenalster. Im Anschluss ab 17:00 Uhr bis 20.00 Uhr lädt die Kulturbrücke mit ihren MitveranstalterInnen die TeilnehmerInnen des Marsches zu einem Dialog mit den AusstellerInnen auf dem Rathausmarkt ein und es wird ein kulturelles Programm geboten werden.

Wo? Auf dem Hamburger Rathausmarkt

Wer? Frauen, MigrantInnen, Alt- und Neuhamburger jeder Nationalität.

Wir HamburgerInnen stehen ein für mehr Weltoffenheit, Selbstbestimmung, Menschlichkeit, gegenseitigen Respekt und Toleranz. Und für ein lebenswertes, sozial-gerechtes und friedvolles Miteinander.

Wir HamburgerInnen wehren uns gegen jede Form von Rassismus, Diskriminierung und Frauenfeindlichkeit. Wir sagen „Nein!“ zu all denjenigen, die unsere Gesellschaft mit rechts-populistischer Propaganda und religiösem Fanatismus spalten wollen und so unsere Grundrechte auf Frieden, Freiheit und Demokratie zu erschüttern versuchen.

Was uns vereint, sind die demokratischen Werte, die unsere internationale Stadt und unser ganzes Land in den vergangenen Jahrzehnten geprägt haben. Mit einem vielfältigen künstlerischen Programm möchten wir die Vielfalt der Menschen und Kulturen feiern.

und viele andere Einrichtungen …