Buchtipp

Dinge, die vom Himmel fallen

AhavaSaaras Tante Annu ist in ein „Märchenschloss“ mit Geheimzimmer gezogen. Grund zur Freude für das Mädchen. Doch die Tante kann sich mit ihrem Lottogewinn nicht abfinden und verkriecht sich, kaum hat sie einen Gutshof erworben, in einen „Dornröschenschlaf“. Auch Saara widerfährt Undenkbares, das viel besser in ein Märchen passen würde als in das Leben einer Achtjährigen: Ein Eisklumpen stürzt vom Himmel und begräbt ihre Mutter unter sich. Saara stemmt sich in ihrer Trauer gegen das allmähliche Verblassen der Erinnerung: Sie beschließt, sich „sicherheitshalber“ jeden Tag an die Mutter zu erinnern, „bevor die Zeit zu viel heilt“. Weil sie weder auf ihren Vater Pekka zählen kann noch auf die Tante, ruft Saara ihr Idol Hercule Poirot um Hilfe an. Denn Hercule Poirot hätte „jeden Tod richtig erklärt“.

Es ist vor allem die magische Vorstellungswelt der kindlichen Ich-Erzählerin mit ihren Bildern und Figuren, in der das Unfassbare dessen, was der Familie zustößt, gespiegelt und greifbar wird. Aus der sprachlichen Schönheit dieser märchenhaften Miniaturen, die Selja Ahava in ihren Text verwebt wie Tante Annu Erinnerungsstücke in ihre Walkteppiche, bezieht der Roman seinen ganz speziellen Reiz. Dabei gelingt der finnischen Autorin ein Erzählton, der das Verarbeiten Saaras nicht etwa als naiv darstellt, sondern als eine eigenständige und sehr lebenskluge Art damit umzugehen, dass „Dinge passieren“. Am Ende ist Saara gewiss:

„Mal kommt der Weltuntergang,

mal bricht schlagartig das Paradies aus.“

Eine großartige Melange aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit, eine schmerzhafte und zugleich tröstliche Lektüre.

Buchtipp von: Anne Gemeinholzer

Selja Ahava: Dinge, die vom Himmel fallen. Roman

Mareverlag 2017, 205 S., 20 Euro

In der Bibliothek zu finden unter der Signatur: R Aha 1